Ronny Marx über die Anwendung des Pateo-Prinzips auf PPC Strategien

Wie wirksam ist die Content-Optimierung auf Amazon heute?

 

Zu Pionierzeiten vor Alexa und Co. ließ sich auf Amazon ein interessantes Phänomen beobachten. Es schien so, als ob die Mehrheit der Produkte mit von Computern generierter, unleserlicher Sprache beschrieben wurden. Die wenigsten Endkunden wussten, dass sich hinter dem zusammenhanglosen „Fach-Chinesisch“ in dem Produkt-Content eine Strategie versteckte, die eine Lücke in Amazons System offenbarte und von einigen Händlern direkt ausgenutzt wurde. Aus der Sicht des Sellers hat das sogenannte „Keyword-Stuffing“ nämlich wunderbar funktioniert: Mehr Keywords bedeuteten mehr Relevanz für mehr Suchanfragen und somit mehr Reichweite. Doch Amazon hat gelernt in Sachen Styleguides ein höheres Maß an Konsequenz an den Tag zu legen.

Die Produktbeschreibung lässt sich weitestgehend noch manuell bearbeiten. Leider ist sie in der Prioritätenliste für Amazons Relevanz-Logarithmus am unteren Ende einzugliedern. Die Bullet Points sind nur noch in manchen Kategorien zugänglich, da Amazon in Kategorien wie Schuhe diese automatisch aus den Produktdaten füllt. Was bleibt, ist das Backend und die dort platzierten Keywords. Diese lassen sich noch frei editieren und machen im Ranking oft einen großen Unterschied aus.

Die beschriebenen Entwicklungen werfen jedoch einige Fragen auf: Habe ich in Zukunft überhaupt noch einen Einfluss auf meine Produktdaten? Oder wird Amazon mehr und mehr die Kontrolle übernehmen? Was kann ich als Händler oder Marke stattdessen tun, sollte dieser Fall eintreffen? Und wie sollte man zukünftig am besten in Sachen Optimierung vorgehen, sollte Amazon Sellern und Vendoren noch einen gewissen Spielraum lassen? Eine mögliche Herangehensweise: Das Pareto-Prinzip kombiniert mit effektiven PPC Strategien.

Was genau beschreibt das Pareto-Prinzip?

Wikipedia erklärt das Pareto-Prinzip wie folgt: „Die Pareto-Verteilung beschreibt das statistische Phänomen, dass eine kleine Anzahl von hohen Werten einer Wertemenge mehr zu deren Gesamtwert beiträgt als die hohe Anzahl der kleinen Werte dieser Menge.“ Ein praktisches Beispiel des Pareto-Prinzips ist das Erlernen von Sprachen. Möchte man eine neue Sprache lernen so sind es oft nur 20% der Vokabeln, die benötigt werden um 80% einer Sprache zu beherrschen, sodass man diese tatsächlich sprechen kann.

Wie lässt sich das Pareto-Prinzip auf Amazon übertragen?

Immer wieder zeigt sich: 20% der Keywords, die mit einem Listing in Verbindung stehen machen 80% des Traffics aus. Um sich also Zeit und Mühe bei der Content-Optimierung zu sparen sollte man sich darauf besinnen die „20%-Keywords“ zu sammeln die mit dem meisten Traffic in Verbindung stehen und somit für 80% der Performance sorgen. Der Effekt: Man spart sich Zeit und Nerven bei der Keyword-Recherche und hat die Kapazitäten, weitaus mehr Produkte zu optimieren.

Die 5 wichtigsten Schritte bei der Content-Optimierung nach dem Pareto-Prinzip:

  1. Initiale Keyword-Recherche (max. 5 Min)
  2. Zu Beginn der Optimierung sollte man sich einen Moment Zeit nehmen, um sich zu fragen, welche absoluten Synonyme einem zu dem Produkt einfallen. Optimiert man zum Beispiel einen Kochlöffel aus Holz, so kann man sich andere Bezeichnungen und Verwendungsmethoden überlegen und zum Beispiel die Keywords „Rühr-Löffel“, „Back-Löffel“ und „Holz-Löffel“ notieren.

  3. Major-Keywords und Search-Phrases von Mitbewerbern identifizieren (max. 10 Min)
  4. Darauf folgt die erweiterte Recherche mit den gesammelten Keywords in den Ergebnisseiten auf Amazon. Dabei filtert man die Keywords heraus, die am häufigsten in den Produkttiteln verwendet werden und nimmt diese mit in die eigene Liste auf. Tipp: Zweitrangige Worte, die bei der Suche auffallen, wie zum Beispiel „umweltfreundlich“ oder „Küchenutensil“ sollten auf jeden Fall in das Keyword-Set mit aufgenommen werden.

  5. Keywords priorisieren (max. 10 Min)
  6. Daraufhin ist es sinnvoll die Liste nach Relevanz zu sortieren. Dabei können Tools wie ShopDoc, Amalyze oder Sellics hilfreich sein, um das potentielle Suchvolumen und weitere Leistungsindikatoren von Keywords zu schätzen. So kann man schnell sein Keyword-Set bereinigen und eine eigene Priorisierung vornehmen.

  7. Inhalte priorisieren (max. 3 Min)
  8. Mit dem bereinigten und priorisierten Keyword-Set in der Tasche stellt sich nun die Frage, welche Content-Elemente welcher Priorisierung folgen und wo man in Folge dessen die relevanteren Keywords unterbringen sollte. Selbstverständlich auf Platz 1: Der Titel, dicht gefolgt von den Bullet Points auf Platz 2. Auf Platz 3 der Priorisierung finden sich die Backend Keywords wieder, und Prio 4 ist die Beschreibung. Und nach dieser Abwertung sollte man auch die zuvor priorisierten Keywords einbauen.

  9. Content optimieren (15-25 Min)
  10. Möchte man ein großes Sortiment an Produkten optimieren, ist es wichtig, ohne hohen Zeitaufwand vorzugehen und gleichzeitig die wichtigsten Keywords nicht zu vergessen. Da sich viele Parents oft sehr stark ähneln, ist es nicht zu gewagt, identische Keyword-Sets zu verwenden und modular vorzugehen. Eine modulare Vorgehensweise kann wie folgt aussehen:

    Titel: [Marke] + [Produktname] + [Modell] + [Main-Keyword 1] + [Haupteigenschaft 1] + [Main-Keyword 2] + [Haupteigenschaft 2]
    Bulletpoint 1: spezifisch zum Produkt mit 1-2 weiteren relevanten Keywords
    BP 2: wie BP 1
    BP 3: wie BP 1&2
    BP 4: allgemeiner Text passend zur Produktkategorie mit 1-2 generischen Keywords
    BP 5: allgemeiner Markentext mit 1-2 generischen Keywords

    Backend-Keywords: Hier werden die restlichen Keywords eingebaut die man nicht passend in dem Listing unterbringen konnten, welche dennoch eine hohe Relevanz aufweisen und weit oben auf der Prioritätenliste stehen.

Fazit:

Hat man das Pareto-Prinzip generell verstanden, kann dieses ein sehr nützliches Werkzeug sein. In meinen Augen eignet sich die 80/20 Regel wunderbar um einen hin und wieder zu bremsen, wenn man dabei ist Fässer ohne Böden zu öffnen und sich in Perfektionismus zu verlieren.

 

Unser Experte Ronny Marx, Geschäftsführer intomarkets.com

Über intomarkets

Die Amazon Agentur intomarkets wurde 2016 von Ronny Marx in Hamburg gegründet. Das damals noch sehr kleine Team von 2 Mitarbeitern ist heute auf 15 Amazon Analysten und Berater angewachsen, womit intomarkets zu einer der führenden Agenturen in Deutschland zählt. Spezialisiert auf große Seller und Vendoren sowie fokussiert auf das Advertising auf Amazon deckt intomarkets das gesamte Spektrum an Dienstleistungen rund um den Marketplace und die Werbeplattform ab. Von Amazon SEO, über PPC-Werbemaßnahmen bis zu umfangreichen AAP-Kampagnen berät und betreut die Agentur viele große Marken und Hersteller auf Amazon.

intomarkets setzt dabei vor allem auf einen datengetriebenen Ansatz gepaart mit der Erfahrung, Zielgruppen zu segmentieren und gezielt zu bewerben. Statt Bauchgefühl werden Optimierungen und Kampagnen mit eigens entwickelten Analyse-Tools geplant und umgesetzt. Die Agentur setzt dabei auch auf ein internationales Team an Native-Speaker aus allen relevanten Ländern Europas. Auch Workshops, Trainings und Coachings zählen zum Portfolio von intomarkets. Mit dem merchantday hat intomarkets zudem eine der größten und wichtigsten Marktplatz-Konferenz im deutschsprachigen Raum ins Leben gerufen, welche einmal pro Jahr in Hannover stattfindet.