Experte Franz Jordan von Sellics führt auf

9 erfolgreiche Tipps zur Internationalisierung für Amazon Händler


Amazon bietet Händlern einmalige Möglichkeiten um schnell international zu wachsen. Jedoch gilt es einige Schwierigkeiten und Hindernisse zu überwinden. Franz Jordan von Sellics (vorher “Marketplace Analytics”) erklärt, was man als Amazon Händler beim internationalen Geschäftsausbau beachten sollte.

Amazon bietet für das internationale Wachstum als Händler einige unschlagbare Vorteile. Ohne einen eigenen Shop aufbauen zu müssen erhalten Händler über die Plattform Amazon gleich von Beginn an eine große Reichweite und profitieren außerdem von dem Vertrauen, das die Kunden Amazon entgegenbringen. Mit Programmen wie Versand durch Amazon unterstützt Amazon außerdem Händler aktiv beim internationalen Wachstum und erleichtert so den Internationalisierungsprozess.

Einige Hürden gilt es bei der Internationalisierung aber natürlich trotzdem zu meistern. Darüber hinaus gibt es einige verschiedene Möglichkeiten bzw. Wege, die man für den internationalen Verkauf einschlagen kann. Welche Hürden und Möglichkeiten das sind, zeigt dieser Beitrag. Dabei wird insbesondere auch ein Überblick über die verschiedenen Versand durch Amazon Optionen (wie z.B. Pan-Europäischer Versand) und ihre Vor- und Nachteile gegeben.

1. Hürden für die Internationalisierung auf Amazon

Mit dem Verkauf oder der Lagerung von Waren im Ausland gehen einige zusätzliche Anforderungen in verschiedenen Bereich einher. Dazu zählen insbesondere Anforderungen aus den Bereichen Gesetz und Behörden, Versand und Kundenservice und Marketing:

Anforderungen im Bereich Gesetz und Behörden:

  • Steuern (insb. Umsatzsteuer): Anmeldung bei Steuerbehörden im Ausland, Abführen der Steuern (abhängig davon, ob Waren im Ausland gelagert werden und/oder ob Lieferschwellen überschritten werden)
  • Meldepflichten (z.B. bei Intrastat)
  • Gesetzliche Regelungen zu Sicherheits-, Gesundheits oder Umweltanforderungen
  • Kennzeichnungs- und Etikettierungspflichten
  • Urheberrechtsangaben, Rechte an geistigem Eigentum

Diese Liste ist nicht abschließend. Insbesondere können in Abhängigkeit vom jeweiligen Produkt oder Land ganz verschiedene Anforderungen gegeben sein. Aus diesem Grund sollte man als Händler unbedingt die Unterstützung eines Rechtsanwalts oder Steuerberaters in Anspruch nehmen. Amazon selbst bietet in diesem Bereich keine direkte Unterstützung an.

 

Anforderungen im Bereich Versand und Kundenservice:

  • Versand der Produkte zum Kunden (entweder im Eigenversand oder mit Versand durch Amazon)
  • Höhere Kosten für den Versand
  • Rücksendungen (lokale Rücksendeadresse im Marktplatzland oder kostenlose Rücksendung erforderlich)
  • Zollbestimmungen
  • Kundenservice in der jeweiligen Landessprache
  • Management von Rezensionen (Produktrezensionen und Händlerbewertungen)

Soll der Versand vom Händler selbst abgewickelt werden, entsteht also einiges an Mehraufwand. Alternativ können Händler auch einige der Aufgaben an Amazon abgeben. Mit Versand durch Amazon übernimmt Amazon den internationalen Versand inkl. Rücksendungen sowie einen Großteil des Kundenservices. Für Versand durch Amazon werden jedoch Gebühren und damit Mehrkosten fällig.

 

Anforderungen im Bereich Marketing:

  • Erstellung von Produktlistings (Content)
  • Amazon SEO (Keywordrecherche und Keywordoptimierung)
  • Amazon-spezifische Werbekampagnen (wie z.B. Gesponserte Produkte)

Die Aufgaben im Bereich Marketing können Händler entweder selbst übernehmen oder sich durch Agenturen bzw. spezielle Tools (wie z.B. sellics.com) unterstützen lassen.

2. Möglichkeiten und Wege für die Internationalisierung auf Amazon

Für den internationalen Verkauf auf Amazon gibt es einige unterschiedliche Möglichkeiten. Je nach Möglichkeit können sich die erzielte Reichweiten- bzw. Umsatzsteigerung und die damit verbundenen Herausforderungen unterscheiden.

Möglichkeiten zum Verkauf an internationale Kunden

Im Moment gibt 12 Amazon Marktplätze, auf denen Händler ihre Produkte anbieten können:

  • Europa: Deutschland, UK, Italien, Frankreich, Spanien
  • Nordamerika: USA, Kanada, Mexiko
  • Asien: Japan, China, Indien
  • Und neu: Australien

Um mit dem Verkauf auf einem Amazon Marktplatz zu beginnen, müssen sich Händler dort ein Verkäuferkonto erstellen. In Europa und Nordamerika erhalten Verkäufer dabei automatisch Zugang zu allen Marktplätzen in der Region. Auf allen Amazon Marktplätzen können darüber hinaus Kunden aus aller Welt einkaufen. Damit ergeben sich 2 verschiedene Möglichkeiten um an internationale Kunden zu verkaufen:

 

  • Auf Amazon.de über Export (z.B. an österreichische Kunden über Amazon.de verkaufen)
  • Auf weiteren internationalen Marktplätzen (z.B. an französische Kunden über Amazon.fr verkaufen)

Wenn man auf einem weiteren internationalen Marktplatz verkauft, lässt sich dadurch oft eine größere Steigerung der Reichweite erzielen als durch den reinen Export. Französische Kunden lassen sich etwa besser erreichen, indem man als Händler seine Produkte direkt über Amazon.fr verkauft, statt nur über Amazon.de. Andere internationale Kunden, in deren Land es keinen dedizierten Marktplatz gibt (z.B. Österreich) lassen sich aber stattdessen nur über den Export erreichen. Um eine große Reichweite zu erzielen ist es also nützlich sogar beide Optionen miteinander zu kombinieren.

 

Hinweis – Kauf von Lagerbestand durch Amazon: Für Händler, die Versand durch Amazon (FBA) nutzen, bietet Amazon die Option “Kauf von Lagerbestand durch Amazon” an. Hierbei kann Amazon bei Bedarf Artikel des Händlers erwerben, um diese dann auf weiteren internationalen Amazon Marktplätzen weiterzuverkaufen. Diese Option ist bei Nutzung von FBA standardmäßig aktiviert, kann jedoch auch deaktiviert werden. Auch im Rahmen dieser Option kann also an internationale Kunden verkauft werden. Da keine Garantie besteht, dass Amazon diese Möglichkeit wahrnimmt, sollte man sich aber nicht allein hierauf verlassen.

Möglichkeiten zum Versand an internationale Kunden

Versand durch Händler (FBM) und Versand durch Amazon (FBA)

Für den Versand stehen grundsätzlich zwei Optionen zur Verfügung: Eigenversand (Fulfillment by Merchant – FBM) und Versand durch Amazon (Fulfillment by Amazon – FBA). Diese beiden Optionen können sowohl für den Export als auch für den Verkauf über weitere internationale Marktplätze genutzt werden. Mit Versand durch Amazon kann der Schritt zur Internationalisierung aber deutlich einfacher sein. Wie bereits erwähnt, übernimmt Amazon hierbei für Händler den internationalen Versand inklusive Rücksendungen sowie den Großteil des Kundenservices – gegen eine entsprechende Gebühr.

Im Rahmen des Exports mit FBA reicht es aus, den Lagerbestand an ein Warenlager von Amazon in Deutschland zu senden. Soll dagegen auf weiteren internationalen Marktplätzen mit FBA verkauft werden, muss der Lagerbestand in manchen Fällen an die Amazon Warenlager im Ausland gesendet werden. Das ist z.B. der Fall wenn man mit FBA auf Amazon.com verkaufen möchte. Für den Verkauf auf europäischen Amazon Marktplätzen ist dies jedoch nicht unbedingt notwendig.

Versand durch Amazon in Europa

Innerhalb Europas ist das internationale Wachstum durch spezielle FBA Programme nochmal deutlich einfacher. Hierbei gibt es 3 verschiedene Optionen:

  • Europäisches Versandnetzwerk (EFN, Standard mit FBA): Diese Option ist steht standardmäßig mit FBA zur Verfügung. Hiermit können auf allen europäischen Marktplätzen Angebote für ein Produkt erstellt werden. Alle Bestellungen, die über europäische Marktplätze eingehen, werden dann von Amazon aus dem Lagerbestand im Inland versandt (gemeinsamer Lagerbestand für alle Marktplätze).
  • Lagerbestand im Marktplatz-Land (optionaler Zusatz): Hiermit können spezifische Länder ausgewählt werden, in denen Lagerbestand vor Ort aufbewahrt werden soll. Amazon verteilt dann den Lagerbestand automatisch je nach Nachfrage zwischen In- und Ausland. Außerdem können Händler hiermit auch Lagerbestand direkt an die Amazon Warenlager im Ausland schicken.
  • Paneuropäischer Versand (optionaler Zusatz): Die Option PAN-EU entspricht der Nutzung von EFN plus Lagerbestand in allen europäischen Marktplatz-Ländern. Auch hier verteilt Amazon den Lagerbestand automatisch je nach Nachfrage zwischen In- und Ausland und Händler können Lagerbestand in Amazon-Warenlager im Ausland schicken. Um den Paneuropäischen Versand zu nutzen ist die Voraussetzung, dass für das jeweilige Produkt ein Angebot auf jeder europäischen Marketplace-Seite erstellt worden ist.

 

Im direkten Vergleich haben die einzelnen Programmen einige Vor- und Nachteile, die in der folgenden Übersicht zusammengefasst sind. Wichtig sind dabei die Bereiche FBA-Gebühren, Lieferzeiten, Lieferkosten, Lieferoptionen inkl. Prime für den Kunden sowie der Mehraufwand für Reporting und Buchhaltung, der sich durch die internationale Lagerung ergeben kann.

 

 

Unser Experte Franz Jordan, Geschäftsführer bei Sellics Marketplace Analytics GmbH

Über Sellics

Sellics ist das führende Analyse- und Optimierungstool für den Verkauf auf Amazon. Bis vor kurzem hieß Opens external link in new windowSellics (sellics.com) noch Marketplace Analytics. Das Tool ist jetzt auch für alle internationalen Amazon Marktplätze verfügbar und erleichtert das internationale Wachstum deutlich. Es unterstützt u.a. bei der Keyword-Recherche in fremden Sprachen, dem Rezensions-Monitoring auf allen Marktplätzen, der Auswertung von Umsätzen in verschiedenen Währungen sowie der Umsatzsteigerung durch Gesponserte Produkte in allen Ländern.