József Sever über grundlegende Schwierigkeiten und Herausforderungen

Amazon-Berichte aus Perspektive der Umsatzsteuer

Die europäischen Steuerbehörden haben ihr Interesse an Online-Händlern in den letzten 2-3 Jahren erhöht. Dies hat zu zwei Dingen geführt:

  1. Der Prozess der umsatzsteuerlichen Registrierung kann länger dauern, da die Steuerbehörden den Antrag tiefgreifender prüfen oder weitere Unterlagen anfordern können; und
  2. Eine Umsatzsteuer-Sonderprüfung für Online-Händler ist jetzt viel wahrscheinlicher als sie vor drei Jahren war.

 

Probleme, wenn man die richtigen Unterlagen nicht besitzt

Amazon FBA-Verkäufer können auf Schwierigkeiten treffen, wenn sie Unterlagen vorlegen müssen, die als offizieller Beweis für ihre Geschäftstätigkeit gelten. Dies kann verschiedene Gründe haben:

  1. Um die Logistik kümmert sich Amazon allein. Verkäufer werden darüber nicht im Voraus informiert, wenn Amazon ihre Waren von einem Lager eines Landes in ein anderes liefert.
  2. Verkäufe werden gemäß dem Logarithmus von Amazon ausgeführt, und die Verkäufer können darüber keine Kenntnis haben, von welchem Lager die Waren versandt werden.
  3. Aus den oben genannten Gründen können Amazon-Verkäufer normalerweise Lieferscheine, CMRs oder andere Dokumente nicht besitzen, die bestätigen, wie Bestellungen ausgeführt wurden.
  4. Auch wenn Verkäufer die Umsatzsteuer-Berechnungsservices von Amazon nutzen, können sie Schwierigkeiten haben, die entsprechenden Rechnungen für eine bestimmte Transaktion (für Verkäufe oder insbesondere für eigene Warenbewegungen) einzusammeln.

Während des Umsatzsteuerregistrierungsprozesses oder einer Umsatzsteuerprüfung werden Dokumente wie Rechnungen und Lieferscheine von den Steuerbehörden höchstwahrscheinlich angefordert. Diese Dokumente bestätigen die wichtigsten Informationen für die einzelnen Transaktionen: Ob und falls ja, wann eine Lieferung erfolgte? Wohin wurde die Ware geliefert? Was war der Wert der Transaktion? Die Beantwortung dieser Fragen ist wichtig, insbesondere wenn die Steuerbehörden innergemeinschaftliche Lieferungen oder Exporte prüfen. Ohne ordnungsgemäße Nachweise können die Steuerbehörden diese Transaktionen mit inländischer Umsatzsteuer bewerten und dementsprechend eine zusätzliche Umsatzsteuerzahlung, einschließlich Zinsen, Zuschlag oder Strafe verlangen.

Was sind die Alternativen?

Was sollte ein Amazon-Verkäufer tun, wenn die Steuerbehörden während des Umsatzsteuerregistrierungsprozesses oder einer Steuerprüfung die oben genannten Dokumente anfordern?

Offensichtlich ist das ideale Szenario, wenn der Verkäufer die angeforderten Dokumente bereitstellen kann. In diesem Fall kann die Prüfung schnell abgeschlossen werden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass das Abrufen dieser Dokumente von Amazon kein einfacher oder schneller Prozess ist. Zum Glück akzeptieren Steuerbehörden in der Regel einige Amazon-Berichte als Beweis für die vom Verkäufer durchgeführten Transaktionen. Einige Steuerbehörden fordern diese Berichte sogar direkt bei Amazon an, wenn sie eine Prüfung starten. Im folgenden Abschnitt werden zwei Arten von Amazon-Berichten näher eingegangen.

Der Amazon-Bericht über Mehrwertsteuer-Transaktionen

Bei der Erstellung von Umsatzsteuererklärungen für Amazon-Verkäufer verwenden wir einen von Amazon erstellten Monatsbericht namens Amazon-Bericht über Mehrwertsteuer-Transaktionen, um die Umsatzsteuerposition der Verkäufer in den jeweiligen Ländern zu berechnen. Der Bericht unterscheidet die folgenden Transaktionstypen: Sale, Return, Refund, FC-Transfer und Inbound.

Sale: Der Kunde kauft Waren von einem Verkäufer.
Return: Der Kunde gibt die Ware (n) an einen Verkäufer zurück. Dies gilt nur für Produktbewegungen. Die etwaige Geldbewegung wird unter „Refund“ ausgewiesen.
Refund: Der Verkäufer führt dem Kunde eine Erstattung durch. Rückerstattungen können vollständig oder teilweise erfolgen. Wenn die Erstattung sich mit einer Warenbewegung zusammenhängt, wird die Warenbewegung unter „Return” ausgewiesen.
FC-Transfer: Die Waren des Verkäufers werden zwischen den Fulfillment Centern von Amazon übertragen.
Inbound: Der Verkäufer sendet Waren an ein Amazon Fulfillment Center.

Der monatliche Amazon-Bericht über Mehrwertsteuer-Transaktionen stellt für die Erstellung der Umsatzsteuererklärungen die beste Basis von Amazon dar: Er gibt an, woher die Waren versandt wurden; wohin sie geliefert wurden; und zu welchem Preis (einschließlich USt.) sie verkauft wurden. Die obigen Informationen bestimmen den Umsatzsteuerbetrag und das Land, in dem er für die im Bericht enthaltenen Transaktionen gemeldet und bezahlt werden soll. Die folgenden Faktoren sollten ebenfalls untersucht werden, um das Berichtsland zu bestimmen:

  1. Wurde den Schwellenwert für Fernverkäufe des Ankunftslandes erreicht?
  2. Wurde auf die Anwendung der Lieferschwellenregelung verzichtet, sodass die Transaktionen im Ankunftsland gemeldet werden können?

Was ist die Lieferschwelle für Fernverkäufe? Fernverkauf erfolgt, wenn ein Unternehmen Waren aus einem EU-Land in einem anderen EU-Land an einen Kunden liefert, der umsatzsteuerlich nicht erfasst ist. Fernverkauf betrifft nur Waren, keine Dienstleistungen. Die EU-Mitgliedstaaten legen Schwellenwerte für ein bestimmtes Handelsvolumen fest, das aus anderen Mitgliedstaaten kommt. Sobald dieser Schwellenwert erreicht ist, muss sich das Unternehmen im Ankunftsland umsatzsteuerlich registrieren und dort die Umsatzsteuer abrechnen.

Im Falle der Schwellenwert erreicht wurde, gibt es kein Handlungsspielraum, die Verkäufe müssen im Ankunftsland mit dem Umsatzsteuersatz des Landes besteuert werden.

Im Falle der Schwellenwert nicht erreicht wurde, soll der Verkauf standardmäßig im Versendungsland gemeldet werden. Es ist jedoch möglich, das Steuerland zu ändern und die Umsatzsteuer auf Fernverkäufe im Ankunftsland zu melden, auch wenn der Schwellenwert nicht erreicht wurde.

Die Antwort auf die oben genannten Fragen wird die Berechnung der Umsatzsteuerposition des Verkäufers für „Sale“- und „Return“ Transaktionstypen ermöglichen.

Der Transaktionstyp, der hiermit ebenfalls erwähnt werden sollte, ist der FC-Transfer. Die Abkürzung steht für Fulfillment Center Transfer und bezieht sich auf die Warenbewegung zwischen zwei Lagern in zwei verschiedenen EU-Ländern. Wir nennen diese Bewegung „eigene Warenbewegung“ und sie ist als innergemeinschaftliche Lieferung im Versendungsland und als innergemeinschaftliches Erwerb im Ankunftsland zu melden. Da es sich bei diesen Transaktionen nicht um Verkäufe handelt, verwenden wir bei der Ermittlung der Warenwerte den Einkaufspreis und nicht den Verkaufspreis. Da Amazon den Einkaufspreis der Waren möglicherweise nicht kennt, enthält der Bericht keinen Wert für FC-Transfer. Um die Transaktion ordnungsgemäß melden zu können, muss der Verkäufer den Einkaufspreis jedes von ihm verkauften Produkts an den Dienstleister senden, damit die Umsatzsteuererklärungen richtig erstellt werden können.

Im Umgang mit den Steuerbehörden stellt der Amazon-Bericht über Mehrwertsteuer-Transaktionen die beste Zusammenfassung der auf der Amazon-Plattform getätigten Transaktionen dar. Die Steuerbehörden würden diesen Bericht als Nachweis für die in den eingereichten Umsatzsteuererklärungen angegebene Umsatzsteuer akzeptieren.

Amazon Seller Central-Kontoauszug

Einige Amazon-Verkäufer haben möglicherweise erfahren, dass die Steuerbehörden in der Regel auch einen anderen Amazon-Bericht anfordern. Es gibt viele Namen, die deutschen Steuerbehörden verwenden, am Üblichsten wird er als „Amazon Seller Central-Kontoauszug“ bezeichnet, daher werden wir hier den gleichen Namen erwähnen.

Die britischen, spanischen und deutschen Steuerbehörden fordern diese Berichte normalerweise an, wenn sie eine Steuerprüfung durchführen, manchmal aber auch während des Umsatzsteuerregistrierungsprozesses. Da diese zu den größten Marktplätzen in Europa gehören, ist es wichtig, dass Verkäufer mit den Steuerbehörden zusammenarbeiten, wenn sie Dokumente jeglicher Art anfordern. Andernfalls kann die Umsatzsteuerregistrierung verzögert oder gekündigt werden. Infolgedessen kann Amazon die Verkäufer daran hindern, im jeweiligen Land zu verkaufen. Dennoch sollten Verkäufer verstehen, worum es in diesem Bericht geht, bevor sie ihn an die Steuerbehörde senden.

Unten können Sie ein Bild über diesen Bericht sehen, worauf Sie möglicherweise bereits gestoßen sind:


 

Der vorstehende Bericht wurde in der Vergangenheit von der deutschen Steuerbehörde als offizieller Nachweis für die Umsatzsteuerbilanzierung ausschließlich akzeptiert. Dies hat sich in der letzten Zeit geändert. Der Bericht wird jedoch immer noch als beliebtes unterstützendes Dokument angesehen, wenn es um eine Überprüfung der Geschäftstätigkeit des Verkäufers geht.

Der Bericht kann von Amazon-Marktplätzen heruntergeladen werden und enthält Informationen zur Geschäftstätigkeit des Verkäufers auf dem ausgewählten Marktplatz, in unserem Fall auf amazon.de/. Der gleiche Bericht ist jedoch auch für die anderen Marktplätze verfügbar: amazon.es/, amazon.it/, amazon.fr/, amazon.co.uk/, und amazon.nl/.

Das Problem ist, dass nicht alle auf amazon.de/ aufgeführten Transaktionen unbedingt in Deutschland besteuert werden müssen. Schauen wir uns einige Beispiele an:

Ein Käufer aus Österreich bestellt etwas auf amazon.de/. Amazon liefert aus einem tschechischen Lager. Wenn der Verkäufer in Österreich registriert ist, wird die Transaktion in Österreich besteuert, wenn nicht (d. H. der Schwellenwert für Fernverkäufe wurde nicht überschritten), wird sie in Tschechien besteuert. In beiden Fällen wird es jedoch aufgeführt, dass der Verkauf auf amazon.de/ vorgenommen wurde.

Ein deutscher Austauschstudent, der in Lyon, Frankreich, studiert, bestellt über amazon.de/ etwas bei Amazon. Amazon liefert aus einem französischen Lager, daher handelt es sich um einen französischen lokalen Verkauf, der in Frankreich besteuert wird. Trotzdem wird der Verkauf auf amazon.de/ aufgelistet.

Die obigen Beispiele stellen eigentlich keine Seltenheit dar und auf der Grundlage dieser Zusammenfassung können die Steuerbehörden in Deutschland eine höhere Umsatzsteuerposition einschätzen, als die tatsächlich fällige Umsatzsteuer ist. Die Verkäufer sind nicht in einer einfachen Position, wenn sie den Steuerbehörden diesen Bericht ohne andere Belege vorlegen.

Dieser Bericht enthält jetzt eine Warnmeldung: „Diese Informationen gelten nicht als buchhalterische, steuerliche, rechtliche oder sonstige professionelle Beratung“. Beim Senden an die Steuerbehörden sollten Verkäufer den Steuerbehörden jedoch erklären, welche Informationen dieser Bericht tatsächlich enthält und warum dafür es keine gute Grundlage ist, die Tätigkeit und Steuerschuld in dem jeweiligen Land zu überprüfen. Eine klare und detaillierte Kommunikation mit den Steuerbehörden im Voraus kann uns zu einem späteren Zeitpunkt viel Kopfschmerzen ersparen, falls die Steuerbehörden die Prüfung anhand des obigen Berichts abgeschlossen und eine höhere Mehrwertsteuer als die vom Verkäufer bereits gemeldete geschätzt haben. Im Zweifelsfall wenden Sie sich bitte an Ihren Steuerberater.

 

Unser Experte József Sever, Teamleiter bei KPMG Global Services Hungary (KGSH)

Über József Sever

József ist seit ihrer Gründung Teil der Abteilung von KGSH, die Umsatzsteuer-Compliance-Lösungen speziell für Online-Händler anbietet. Diese Abteilung befasst sich mit Amazon-Verkäufern auf der ganzen Welt und bietet ihnen umsatzsteuerbezogene Dienstleistungen an. Derzeit ist er für die Qualitätssicherung und Prozessentwicklung verantwortlich. In den letzten 5 Jahren arbeitete er mit Kunden zusammen, die hauptsächlich aus Deutschland und Italien kommen, gewährleistend ihnen bei verschiedenen Anfragen Beratung und Unterstützung.

Über KPMG Global Services Hungary

Die europäische Zentrale der KPMG für indirekte Steuern befindet sich in Budapest, Ungarn. Unsere Firma beschäftigt nahezu 500 steuerliche Angestellte von denen ein Team speziell Online-Händler betreut. Wir wickeln jedes Jahr zehntausende Steuererklärungen unserer Mandanten ab und unsere Abteilung bietet seit der Gründung vor 5 Jahren steuerliche Qualitätsdienstleistungen. Da unsere Firma als erster Dienstleister für Amazon-Händler auf die Bühne dieses Bereichs getreten ist, basiert unsere Kompetenz auf mehrjähriger Erfahrung, bedeutenden Hintergrundkenntnissen, automatisierten Erstellungssystemen der Steuererklärungen sowie auf der Fähigkeit den Online-Händlern wirksame und komfortable Lösungen zu bieten.