Isabel Mathenia und Michael Frontzek über den aktuellen Einfluss der Pandemie auf den größten Marktplatz der Welt

Coronavirus – Mission impossible?

Die Corona-Pandemie hat nun auch Seller und Vendoren aus Europa und Deutschland erreicht, wodurch es auf einem der weltweit größten Marktplätze zu Liefer- und Lagerengpässen kommt. Unterbrochene Lieferketten entstehen hauptsächlich durch die Einschränkungen der Wirtschaft in Asien und besonders in China. Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hat zwar bereits Anfang März die Chinesen dazu aufgefordert, wieder zu den Produktionsstätten zurückzukehren, trotzdem gehen Analysten davon aus, dass es noch Wochen dauern kann, bis die Wirtschaft in China wieder komplett hochgefahren ist.


 

Aufbruch in neue Welten

Da niemand genau sagen kann, wie lange es noch dauert, bis in China die Wirtschaft wieder voll angelaufen ist, oder wie lange die Maßnahmen in Deutschland und der EU noch andauern, sollte wohl jeder in vielerlei Hinsicht Konsequenzen aus dieser Krise ziehen. Abgesehen davon, dass wir wohl alle gelernt haben, dass es clever ist, immer einen gewissen Vorrat an Toilettenpapier zu Hause zu haben, hat sich für die Händler auf Amazon wohl gezeigt, dass sie große Schwierigkeiten bekommen können, wenn sie nur einen Lieferanten aus Übersee zur Verfügung haben. Um Unterbrechungen in der Lieferkette zukünftig zu vermeiden, ist es daher ratsam, sich breit aufzustellen. Suchen Sie sich mehrere Lieferanten aus unterschiedlichen Ländern, so können Sie bei Bedarf switchen und sind nicht mehr von einem einzigen Lieferanten abhängig. Schauen Sie über den Tellerrand – auch in der Türkei und anderen Ländern in Osteuropa gibt es gute und interessante Möglichkeiten.

Bundle: Die große Chance

Werden Sie kreativ, natürlich stehen nicht jedem Händler auf Amazon dieselben Quellen zur Verfügung, aber auch Resellerware, die man aus der unmittelbaren Umgebung beziehen kann, kann gewinnbringend umgesetzt werden. Vielleicht kennen Sie andere Händler, für die Sie Ware verkaufen können. Gerade hier kann man durch Bundling zusätzlich mit einzelnen eigenen Artikeln oder auch durch Bundles mit eigenen Produkten in neuen Mengen gute Umsätze realisieren. Selbst, wenn man dafür mal ordentlich die Metro von nebenan leerräumt – besondere Umstände erfordern eben besondere Maßnahmen.

Verlassen Sie Ihre Komfortzone und wagen Sie etwas Neues. Die Corona-Pandemie kann so eine Chance für Sie sein, sich neu und breiter aufzustellen und neue Bundles zu erstellen. Viele unserer Kunden haben diesen Weg bereits eingeschlagen und verkaufen nicht mehr nur aus ihrem Standardsortiment. Und das nicht, weil Sie keine Ware mehr haben, sondern, weil ganz bestimmte Artikel gerade am Markt gefragt sind. Momentane Topseller sind neben Sterillium, Atemmasken, Einweghandschuhe, Sicherheitssets gerade auch Hefe, Brotbackmischungen und Zubehörartikel zum Home-Office oder eben das gute alte Toilettenpapier. Wer an diese Artikel herankommt und diese schnell und kreativ bei Amazon einstellt, kann nur gewinnen.

Amazon schiebt unlauteren Preisen den Riegel vor

Aber auch hier ist Vorsicht geboten. Wer sich jetzt denkt, „hervorragend, dann kann ich mein Toilettenpapier palettenweise zum fünffachen Preis verscherbeln“, der irrt gewaltig. Amazon überlässt auch in Zeiten von Corona nichts dem Zufall. Zwar sind die Gesetze zu überzogenen Preisen auf den unterschiedlichen Marktplätzen nicht einheitlich, aber Amazon rät Sellern, dass der Preis auch in einer Notsituation nicht über den Durchschnittspreis hinausgehen dürfe. Bei diesem Durchschnittspreis handelt es sich um den Preis, den der Amazon-Algorithmus als Mittelwert errechnet. Zu den drohenden Konsequenzen einer übermäßigen Preiserhöhung äußert sich Amazon dabei deutlich: „Gemäß dieser Richtlinie kann Amazon die Entfernung eines Angebots oder die Sperrung eines Kontos veranlassen, um gegen überteuerte Preise vorzugehen.“ (vgl. Amazon-Mitteilung vom 31.03.2020).

Durch den sogenannten Höchstpreisfehler haben wir derzeit mit vielen inaktiv geschalteten Artikeln zu kämpfen. Falls Sie sich bei der Preisgestaltung Ihres Artikels nicht sicher sind, sollten Sie den Preisverlauf Ihres Artikels, den branchenüblichen Preis sowie die Preise der Wettbewerber im Auge haben oder einen Fachmann um Rat fragen. Denn wie unsere langjährige Erfahrung gezeigt hat, kosten Artikelsperrungen Geld, Zeit und sind zudem noch sehr aufwändig zu behandeln – das sollten Sie lieber nicht riskieren, vor allem, weil viele der Amazonmitarbeiter ebenfalls im Home-Office sind. Durch eine Beantragung der Freischaltung einzelner Artikel kann es sein, dass die Artikel in einer anderen Kategorie eingestellt werden und sogar zu den priorisierten Artikeln gehören. Aber aufgrund der schlechteren Verfügbarkeit der Mitarbeiter kann es zu längeren Wartezeiten in der Kommunikation kommen.

Einschränkungen im AMZ-Lager

Aber nicht nur bei den Preisen ergreift Amazon besondere Maßnahmen. Neu ist, dass der Onlineriese die FBA-Sendungen vorübergehend auf 15 kg beschränkt hat. Dadurch soll die von Gesundheitsbehörden geforderte soziale Distanz gewahrt werden. Gleichzeitig werden für schwerere Waren keine Bestellungen mehr entgegengenommen und AMZ verzichtet vorerst auf die entsprechenden Lagergebühren.

Außerdem hat Amazon bekannt gegeben, dass nur noch priorisierte Artikel, wie Haushalt- und Sanitärartikel sowie Produkte mit hoher Nachfrage in den Logistikzentren bearbeitet werden. Für alle anderen Produkte wurde die Sendungserstellung vorübergehend deaktiviert und AMZ nimmt auch keine anderen Waren in den eigenen Lagern mehr an. Welche Waren unter die Priorisierung fallen und dadurch von Amazon versendet werden, kann über den Lagerbestand eingesehen werden. Wer aber noch Produkte außerhalb der Priorisierung verkaufen und möglichst zügig versenden will, dem bleibt vorerst nur das FBM oder Prime by Seller als Lösung.

Und, wenn nichts hilft?

Sie können kurzfristig keine Bundles erstellen, bekommen keine neue Ware oder können momentan keine Lieferungen verschicken? Für den Notfall hat Amazon die Richtlinien für versandbezogene Statistiken zur Verkäuferleistung etwas gelockert. So ist es nun auch möglich Ihr Konto vereinfacht in den Urlaubsstatus zu versetzen, um so Ihre Statistiken zu schützen. Alternativ schlägt Amazon vor, die Lieferzeiten anzupassen oder gegebenenfalls Bestellungen zu stornieren. Schließlich sei es das Ziel von Amazon „Ihnen bei der Abwicklung Ihrer Geschäfte in dieser Zeit zu helfen“.

Ganz getreu dem Motto „Not macht erfinderisch“ ist davon auszugehen, dass viele stationäre Händler durch die Krise mit dem Online-Handel starten werden. Versuchen Sie in diesem Zuge den Wettbewerbsvorteil zu nutzen und auszubauen. In jeden Fall empfehlen wir Ihnen die Mitteilungen von Amazon im Seller Central aufmerksam zu verfolgen. Bei weiteren Fragen zu Bundles, der Account- oder Artikelsperrungen oder alternativen Lagermöglichkeiten kontaktieren Sie uns gerne über unserer Website: www.mitou.de

 

Unsere Experten Michael Frontzek und Isabel Mathenia, MiToU GmbH

Über Michael Frontzek und Isabel Mathenia

Michael Frontzek ist einer der Gründer und Geschäftsführer der Kölner Amazon-Beratungsagentur MiToU, seinen Schwerpunkt legt der Wirtschaftspsychologe dabei inzwischen auf das Consulting, Marketing und den Vertrieb. Auch bei verschiedenen Messen rundum Amazon ist Michael Frontzek ein gefragter und beliebter Speaker.

Isabel Mathenia arbeitet seit 2019 als Texterin und studierte Übersetzerin für Französisch im Content-Team von MiToU.

Über MiToU GmbH

MiToU ist eine in Köln ansässige Agentur, die auf viele Jahre Erfahrung und zahlreiche erfolgreich abgeschlossene e-Commerce Projekte zurückblickt. MiToU unterstützt viele namenhafte Kunden in den Bereichen e-Commerce, Market-Place Optimierung, Fulfillment, SEO/SEA, Social-Media und Markenbildung. Die Betreuung ist dabei individuell und liegt hauptsächlich auf den Marktplätzen Amazon und eBay.